THOMAS RABISCH– QUAGGA-
Thomas Rabisch arbeitet vorwiegend themen-
Im Zoo werden die Tiere in einer künstlichen Umgebung gehalten. Im Wesentlichen sind sie auf ihre bloße Kreatürlichkeit zurückgeworfen. Revierverhalten, Wanderbewegung, Wahl von Paarungspartnern und andere Aspekte werden von Menschen gesteuert, ergänzt, ersetzt.
Turnübungen sind kategorisierte Bewegungen an normierten Geräten. Friedrich Ludwig Jahn, auch Turnvater genannt, war der Begründer der Turnbewegung in Deutschland und als solcher verehrt; er propagierte die körperliche Ertüchtigung als Voraussetzung einer gesunden Denkungsart. Der Mensch (genauer: der junge Mann) wird als reduziert auf seinen Körper verstanden, der in Form zu bringen ist, damit daraus ein gesunder Geist entspringe. So, wie das Programm zur Entfaltung
des Geistes vordefiniert ist, so ist auch das angestrebte Ergebnis festgelegt, wie nämlich ein gesunder Geist auszusehen hat. Mittel und Zweck bilden ein Programm.
Was aber, wenn ein anderer Geist andere Ziele verfolgt, sich auf seinen Instinkt verlässt, wenn der Körper, der ihn beherbergt, sich ganz ohne die Nutzung von Turngeräten in respektabler Form befindet? Ein Geist also, der sich seines gesunden Menschenverstandes bedient, die Geräte betrachtet und jenen Geist, der sie ersann, durchschaut und daher ihre Nutzung für sich ablehnt.
Disziplin verkehrt
Der Lehrer pfiff, ich war bereit
und scheute vor dem Pferd
und doch stieß ich die Kugel weit
Im Jahre 1982 stieß der 14jährige Thomas Rabisch die 4-
1811 eröffnete F. L. Jahn in der Berliner Hasenheide den ersten öffentlichen Turnplatz in Deutschland. Auf ihn gehen zahlreiche Turngeräte zurück. So auch das Pferd. Am Anfang hatten die Turnpferde noch Hals und Schwanz; mit der Zeit verkümmerte der Hals, der Schwanz fiel ab; Vorn und Hinten waren danach immer noch unterschieden durch eine Schräge an der Unterseite an einem Ende, die das Vorn markierte. Später gab es auch kein Vorn und Hinten mehr. Das Pferd verkam zum Palindrom, wie eine Wurst.
Das Pauschenpferd, das ohnehin mehr wie ein zweihöckriges Kamel anmutet, existiert auch heute noch im Wettkampfbetrieb, das Sprungpferd ist quasi ausgestorben. 2001 wurde es im internationalen Turnen vom Sprungtisch verdrängt, 100 Jahre nachdem das Quagga endgültig von der Bildfläche verschwand.
Das Quagga war eine Zebraart, eine Unter-
Hinter diesen unbestreitbaren Fakten darf man eine Stringenz vermuten.
Wir haben Gründe zum Feiern und zum Gedenken, gleich mehrere Jubiläen geben Anlaß dazu:
– 200 Jahre Turnen in Deutschland.
– 110 Jahre die Welt ohne Quagga aber mit Bergzoo in Halle.
– 10 Jahre die Welt ohne Sprungpferd bei internationalen Turn-
– Die Ausstellung »Kunst für Tiere« wird eröffnet am 15. Oktober 2011, dem 159. Todestag des Turnvaters.
Im Bergzoo Halle werden Sprungquaggas zu entdecken sein. Die ersten frei herumstehenden ihrer Art. Eine Tafel mit Zeitachse verweist auf die unerhörten Zusammenhänge.

LUNE LÉOTY HAGEN BÄCKER RALF WENDT WOLFGANG MÜLLER BRIAN CATLING & DAVID TOLLEY BERNHARD SCHIPPER VERONIKA SCHNEIDER THOMAS RABISCH






Thomas Rabisch